Der Ringelnatzpfad wurde nach vielen Jahren Arbeit, am 07.08.2008 feierlich eingeweiht und führt an dreizehn markanten Punkten durch die historische Altstadt Wurzens. Mit dem Spaziergang werden Besucher nicht nur an den Sehenswürdigkeiten der Ringelnatzgeburtsstadt entlang geführt. Darüber hinaus wird das Schaffen des Dichters, auf einer Gesamtstrecke von 2,25 km, in der Öffentlichkeit sichtbar gemacht. An jedem Standort wurde eine Stele errichtet, die das Konterfei des Dichters trägt sowie einen Auszug aus einem Ringelnatzgedicht. Die Stelen sollen nun noch mit Skulpturen versehen werden, wie es an der Liegenbank schon zu sehen ist. Dort wurde die erste Bronze- Skulptur der Künstlerin Ute Hartwig-Schulz installiert.
Sie beginnen den Stadtrundgang am Rosental, wo Sie die imposanten Mühltürme der ehemaligen Wurzener Krietschwerke bestaunen können. Wohl kaum ein Bauwerk der Stadt ist so (ein-) prägsam wie die beiden Türme, die die Stadt Wurzen schon von Weitem repräsentieren. Die Kekse und Biskuits der Krietschwerke waren der ganzen Welt bekannt als “preiswert und bestens im Geschmack” und verleihen Wurzen bis in die heutige Zeit das Image einer “Keksstadt”. Die Wurzener Nahrungsmittel GmbH und die Wurzener Dauerbackwaren GmbH setzen als getrennte Unternehmen heute die Produktion am traditionellen Standort fort.
Bis 1581 war das Gelände Teil eines Domherrenhofes. Danach wurde es als Wohnhaus von Würdenträgern genutzt. Zerstört im 30jährigen Krieg wurde es als Wohnhaus wieder errichtet. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude zur Stadtvilla des Industriellen August Stütz (Wurzener Velourstaub-Tapetenfabrik) umgebaut. Ab Beginn der 1970er Jahre bis 1990 war hier eine Sonderpädagogische Tagesstätte für Kinder und Jugendliche untergbracht. Seit 2002 ist es in Besitz des Netzwerkes für Demokratische Kultur e.V. Es erfolgte ein Um- und Ausbau zum Kultur- und BürgerInnenzentrum D5.
Gleich neben dem D5, direkt an den Westchor des Doms, grenzt das Geburtshaus des Fabeldichters Magnus Gottfried Lichtwer (1719 bis 1783). Das Gebäude wurde 1997 vollständig saniert. Obwohl heute weniger bekannt, gilt Magnus Gottfried Lichtwer neben Lessing und Gellert als einer der bedeutendsten deutschen Fabeldichter der Aufklärungszeit. Aus der Fabel “Die Katzen und der Hausherr”, die in seinen “Vier Bücher Aesopischer Fabeln in gebundener Schreib-Art” zu finden ist, stammt der noch heute bekannte, in die sprichtwörtliche Rede übernommene Lichtwer-Vers: “Blinder Eifer schadet nur.”
Nun blicken Sie auf die Südfront des ehrwürdigen Doms, einer der ältesten und interessantesten Sakralbauten Sachsens. Bereits 1114 als Marienkirche durch Bischof Herwig von Meißen geweiht, hat er mancherlei Wandlungen durchmachen müssen. 1470 wurde er ein Raub der Flammen. Nur die untere Umfassungsmauer und die Fundamente der Türme blieben erhalten. 1508 wurde ein Teil des Domes wieder aufgebaut. Bischof von Salhausen ließ 1513 den Dombau vollenden. Nach dem 30jährigen Krieg erhielten die Türme ihre Hauben im Stil des Barock. 1817 erfolgte eine Domerneuerung im neugotischen Stil. 1931 bis 1932 bekam der Dom sein heutiges Aussehen, wobei unter anderem der Eingang in den Turm verlegt wurde. Der Dresdener Prof. Wrba schuf u. a. die ausdrucksstarke Kreuzigungsgruppe. Öffnungszeiten: täglich Orgelführung und Turmbesteigung nach Vereinbarung
Das Wurzener Schloss befindet sich nördlich des Doms. Der Bischof von Salhausen ließ den Bischofssitz in den Jahren 1491 bis 1497 im Stile der sächsischen Spätgotik bzw. Frührenaissance errichten. Er zeugt von den überragenden architektonischen Leistungen der sächsischen Baumeister um Arnold von Westfalen. Das Schloss ist ein Übergangswerk von der mittelalterlichen Wehrburg (erkennbar am Schlossgraben und der einstigen Zugbrücke) zum Residenzschloss. Zwei starke Türme und ein tiefer Schlossgraben verleihen dem Bauwerk noch heute einen trutzigen Charakter. Der Wendelstein, die Vorhangbogenfenster und die aufwendig gestalteten Zellengewölbe im Inneren des Schlosses erinnern an die Albrechtsburg Meißen. Bis zum Jahr 1581 war es Residenzschloss der Meißener Bischöfe. Nach seiner langen Nutzung als Amtsgericht und Polizeirevier hat ein privater Investor das historische Gemäuer in ein Schlosshotel mit Gaststätte umgebaut. Ein Restaurant, Schlosscafé, Rats- und Jagdzimmer erwarten den Besucher. Schlossführungen finden jeden letzten Sonntag im Monat ab 11.00 Uhr oder auf Voranmeldung statt.
Hoch über den Dächern der Stadt Wurzen erhebt sich auf dem Sperlingsberg der mächtige Bau der St. Wenceslaikirche
Die Geschichte des auch Stadtkirche genannten Gotteshauses ist hochinteressant und vielseitig. So wurde die Kirche St. Wenceslai bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts begründet. Sie brannte zweimal mal nieder: im Jahre 1499 und nach Brandschatzung schwedischer Truppen im Jahre 1637. Der Neuaufbau als dreischiffige Hallenkirche mit Holzdecke begann 1673 und wurde 1689 vollendet. Ihr mächtiger Westturm, der seine barocke Haube im Jahre 1689 erhielt, prägt bis heute die Stadtsilhouette Wurzens. Im 52 Meter hohen Turm lebte bis 1911 der letzte Türmer. Ab 1975 ging eine schleppende Renovierung der Kirche vonstatten, die ab 1996/97 mit einer fachmännischen Turmsanierung forciert werden konnte. Die ehemalige Türmerwohnung wurde 1997 liebevoll restauriert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Jahr 1999 wurde mit der Trennung des Kirchenschiffes vom Altarraum hier eine neue Eule-Orgel eingeweiht. Die Kirche St. Wenceslai sowie einige wertvolle Ausstellungsstücke, z. B. das Altarkruzifix aus dem 15. Jahrhundert und ein Gemälde der Grablegung Christi aus der Schule Cranach d. Ä. stehen heute allen Bürgern und Gästen Wurzens offen. Besichtigung der Türmerwohnung (Ostern bis Reformationsfest): Sonn- und feiertags: 14.00 - 18.00 Uhr sowie auf Vorbestellung Sonderführungen sind über das Pfarramt zu erfragen.
Zwar ist die Postmeilensäule keine reguläre Station auf dem Ringelnatzpfad, dennoch passieren Sie die 1984 nach über 250 Jahren wieder aufgestellt Distanzsäule im Kreuzungsbereich Wenceslaigasse/ Crostigall. Sie ist ein interessanter Zeitzeuge sächsischer Postgeschichte.
Crostigall 14, 04808 Wurzen Das barocke Gebäude entstand im Jahre 1678. Es ist das Geburtshaus von Joachim Ringelnatz . Das Haus ist heute beliebtes Ausflugsziel für Besucher und Station auf dem Ringelnatzpfad.
Am Crostigall befindet sich das Posttor zur ehemaligen Posthalterei mit dem königlich-polnischen / kurfürstlich-sächsischen Doppelwappen von 1734. Es ist ein bemerkenswertes Zeugnis sächsischer Verkehrsgeschichte.
Das 1519 erstmalig erwähnte „Alte Rathaus“ brannte 1802 bereits zum fünften Male nieder. 1803 begann man es in seiner heute existierenden Form neu zu errichten. Anfang des 19. Jahrhunderts befanden sich im Rathaus: Bürgermeister- und Ratsstuben, Richterstube, Ratskeller und die öffentliche Waage. Zwei Grabplatten erinnern an den 1621 verstorbenen Kornschreiber Paul Wagner und seine Frau Anna. 1993 bis 1995 wurde das „Alte Rathaus“ umfassend rekonstruiert. Es beherbergt heute den KulturBetrieb Wurzen, die Stadtbibliothek und die Städtische Galerie am Markt.
Ein weiterer Höhepunkt auf dem Markt ist der Trogbrunnen, der dem Künstler Joachim Ringelnatz gewidmet ist. Die Konzeption, den traditionellen Stadtbrunnen mit Trog und Mittelstock und den unwiderbringlichen Humor des Dichters zu verbinden, hat mehr als 10 Jahre gedauert. Was zeigt der Brunnen? Die von wasserspeienden Masken unterbrochenen Bronzereliefs weisen auf das lyrische Werk von Joachim Ringelnatz und dessen scheinbare Gegensätzlichkeit wie das derb Komische oder das zutiefst Empfindsame hin. Die vier Wasserspeier aus Sandstein polarisieren Zustände zwischen Lachen und Weinen, während in den vier Reliefs – in jeweils zwei Gruppen geordnet – die vielfältigen Facetten des Dichters veranschaulicht sind. Die Gedichtvorlagen reichen vom heiter Grotesken bis zum Ausdruck innerer Einsamkeit und Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Auf den Reliefs ist jeweils ein sinnbildhaftes Hauptmotiv mit begleitenden Szenen dargestellt. Überschäumende Heiterkeit dominiert auf den ersten beiden Reliefs, auf den beiden anderen Melancholie und Angst. Die von wasserspeienden Masken unterbrochenen Bronzereliefs weisen auf das lyrische Werk von Joachim Ringelnatz und dessen scheinbare Gegensätzlichkeit wie das derb Komische oder das zutiefst Empfindsame hin.
Liegenbank Ihr Blick erfasst nun das bauliche Ensemble der Liegenbank. Die Deutung des Namens ist sicherlich auf „legebank“ (Gerichtsbank) zurückzuführen. Das war der Ort, wo Richter oder Schöffe nach deutscher Sitte unter freiem Himmel Recht sprachen. Unter der Liegenbank befinden sich Kellergewölbe, die früher als Verkaufsbänke zu Markttagen genutzt werden konnten. Diese waren bis 1902 noch sichtbar. Als der Markt 1902 gepflastert wurde, erhielt die Liegenbank ihr heutiges Aussehen.
Marktplatz Der Markt wurde vor dem 13. Jahrhundert zwischen Domfreiheit und Altstadt angelegt. Sein Gesamtbild wird noch heute von Häusern Ende des 19. Jahrhunderts geprägt. Durch umfassende Rekonstruktionen blieben jedoch auch Gebäude des 17. und 18. Jahrhunderts erhalten. An der Nordseite des Marktes befindet sich ein 1998 restauriertes Wohn- und Geschäftshaus mit einem steinernen Adler, der daran erinnert, dass die jetzige Ringelnatz-Buchhandlung einst ein vielbesuchter Gasthof war. Fast alle Häuser der Ostseite des Marktes wurden umfangreich saniert, darunter auch das mit einem schönen Erker versehene ehemalige Hotel „Pippig“, früher eine der ersten Adressen der Wurzener Gastronomie auf der Westseite des Marktes. Die in Wurzen hergestellten Kandelaber sind ein weiterer Schmuck des ansonsten in schlichter Schönheit gestalteten Marktplatzes.
Die letzte Station auf Ihrer Entdeckungstour auf dem Ringelnatzpfad ist das Museum Wurzen, welches sich in dem bedeutendsten Renaissancegebäude der Stadt befindet. Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut, erhielt es sein heutiges Aussehen in den Jahren 1666 bis 1668. Das repräsentative Gebäude ziert ein wieder aufgebauter Volutengiebel, der zentral über der siebenachsigen Fassade prangt. Die bis 1880 herausragende soziale Stellung der Besitzer führte zu einer reichen innenarchitektonischen Ausstattung, die zum großen Teil noch erhalten bzw. anhand nachgewiesener historischer Befunde rekonstruiert worden ist. Dazu gehören neben einer massiven Wendeltreppe aus Eichenholz in der Eingangshalle auch aufwendig gestaltete barocke Stuckdecken und ein einzigartiger, vierseitig umschlossener Arkadenhof, der Lesungen und Konzerte in den Sommermonaten zum Erlebnis werden lässt. Seit der Wiedereröffnung 1999 zeigt die umfangreiche ständige Ausstellung einmalige Sachzeugen aus der reichen Stadt- und Kulturgeschichte von der Archäologie bis zur Gegenwart. Das Museum beherbergt die deutschlandweit bedeutendste Ringelnatz-Dauerausstellung. Herausragende Einzelstücke sind der Pestkarren von 1607, Napoleons Tasse von 1813, ein Polymobil von 1907 oder der originale Seesack von Ringelnatz. Im Museum ist auch die Touristen-Information ansässig. Öffnungszeiten Tourist-Information & Museum: Mo-Fr 10:00 - 13:00 Uhr + 14:00 - 18:00 Uhr Sa/So 11:00 - 16:00 Uhr